News | Mobility World | Erfahrungsberichte
Höhere Qualität und verkürzte Entwicklungszeiten
Welcher CAD-Konstrukteur hat sich das nicht schon einmal gewünscht: Man drückt auf einen Knopf – und schon laufen alle Konstruktionsprozesse mit Hilfe von Templates automatisiert ab.
Sciencefiction, Zukunftschance oder schon ein Stück gelebte Wirklichkeit? „Im Prinzip von allem etwas“, konstatiert Dipl.-Ing. Kurt Nederkorn, Leiter der Aus- und Weiterbildung im Center of Competence (CoC) Gesamtfahrzeug der M Plan GmbH in Bissendorf sowie Lehrbeauftragter für CAD (Karosseriebau) an der Hochschule Osnabrück.
Der 49-jährige CAD-Spezialist erläutert: „Templates sind mit individuellem Know-how bestückte, automatisierte Konstruktionsvorlagen, die als Grundlage für Neu-, Varianten- oder Änderungskonstruktionen dienen. Genutzt werden sie für Bauteile bzw. Baugruppen, die in ähnlicher Konfiguration öfters zum Einsatz kommen.“ Im CoC bedient man sich der vorkonfektionierten Komponenten, um Entwicklungszeiten in der Karosseriekonstruktion zu verkürzen oder um auf Kundenwunsch eine gezielte Qualitätsoptimierung zu erreichen. Realisiert wird dies zum einen durch weniger, aber gezielte Iterationsschleifen (= kürzere Entwicklungszeiten) und zum anderen durch mehr Iterationsvarianten innerhalb eines gleichen Zeitraums (= Qualitätssteigerung). Darüber hinaus werden Templates zur Absicherung von Konstruktionsergebnissen eingesetzt (z. B. Rot-Grün-Ampelfunktionen). Zur Geltung kommen die genannten Vorteile jedoch nur unter einer Voraussetzung: „Der Detaillierungsgrad darf bei einem Template nicht zu ausgeprägt sein. Sonst ist der Aufwand für die Gestaltung der Automatisierungsfunktion viel zu hoch und das Ganze rechnet sich nicht“, weiß Kurt Nederkorn. „Daher gilt es, zunächst immer eine Aufwand-Nutzen-Betrachtung durchzuführen.“ Außer der universellen Einsetzbarkeit sind an ein effizientes Template noch weitere Anforderungen zu stellen: Es muss möglichst „updatestabil“ sein, auch von weniger erfahrenen Mitarbeitern „bedient“ werden können und über eine aussagekräftige Dokumentation (= Bedienungsanleitung) verfügen.
Klassifizierung: topsecret
Was jedoch für die Entwicklung von Templates zuallererst benötigt wird, sind hochkompetente und erfahrene Fachkräfte, die die „intelligenten Datensätze“ im Team erstellen, aktualisieren und pflegen können. Voraussetzungen, die im Center of Competence Gesamtfahrzeug der M Plan GmbH gegeben sind, wie bei einem der letzten Projekte – der Erstellung eines Templates zur Auslegung und Absicherung des Vier-Gelenk-Scharniers eines Cabrio-Heckdeckels – erneut deutlich wurde. Kurt Nederkorn: „Konstruktionsseitig war bei dem Projekt ein Fachteamleiter an Bord, der sich mit allen Parametern und Konstruktions- kriterien einer Heckdeckelfunktion bestens auskennt. Sein Know-how und meine langjährigen Erfahrungen im CAD-Bereich haben es ermöglicht, eine effiziente Lösung umzusetzen.“
Neben internem Know-how müssen aber auch immer wieder externe Impulse, d. h. neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Konstruktion, in die Template- Erstellung einfließen. Auch aus diesem Grund arbeitet das CoC Gesamtfahrzeug eng mit der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik der Hochschule Osnabrück zusammen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Kooperation ist die Einbindung von Diplomanden und Bacheloranden in Projekte. Generell gilt für Templates allerdings ein absoluter Geheimhaltungsstatus, da das darin gebündelte Know-how einen wichtigen Wettbewerbsvorteil darstellt. Und so sei an dieser Stelle nur verraten, dass im CoC für den Fachbereich Türen und Klappen zuletzt Templates zur automatisierten Auslegung des Dichtungsflanschs sowie der A-Säulen-Fuge erstellt wurden – inklusive der dafür benötigten Eindrehungsuntersuchungen zur Absicherung der Fugenkontur.
